
„Verdient hat er es nicht, aber Ansprüche erheben!“
Ein Satz der Selbsoffenbarung: Hier ist nicht etwa die Kommunikation kaputt. Auch nicht die Ergebnisse des Mitarbeitenden.
Der Fehler liegt an der Haltung zur Führung.
Wenn Gefühle Fakten ersetzen
Was heißt eigentlich „verdienen“? Woran wird hier fest gemacht ob jemand sein Gehalt verdient oder nicht?
An einem diffusen Gefühl. An einer Wahrnehmung. An etwas, das nie ausgesprochen wurde.
Hier geht es um unerfüllte Erwartungen. Es fehlen definierte Ziele. Es fehlen messbare Benchmarks.
Alles läuft auf einer emotionalen Ebene ab, die beide Seiten völlig unterschiedlich interpretieren.
Das Problem ist das Aufeinandertreffen von zwei Parteien mit unterschiedlichen Ansichten.
Wenn etwas erreicht werden soll, braucht es eine gemeinsame Aktionsebene.
Diese Ebene basiert nicht auf Gefühlen. Sie basiert auf Fakten. Auf Dingen, die klar besprochen sind. Auf Erwartungen, die der eine hat und der andere erfüllen kann.
Das geht nur, wenn Bewusstsein darüber besteht, unter welchen Umständen und mit welchen Ressourcen das möglich ist.
Der Elfenbeinturm der Führung
Warum gibt es diese Klarheit so selten?
Weil Unsicherheit Schutz sucht. Ungereifte Führungspersönlichkeiten, ziehen sich in ihren Elfenbeinturm zurück. Sie verstecken sich hinter bewusst unscharfen Formulierungen und meiden Klarheit. In Fakten befürchten sie durchschaubar zu sein. Sie schüten sich vor Verletzlichkeit.
Kontrolle behalten, das ist die Devise.
In Wahrheit haben wir es mit einem leeren Herzen zu tun, das um Identität und Bedeutung ringt.
Das zeigt sich durch Unruhe und Kontrolle. Sie führen mit Druck. Ihr Streben nach Perfektion, die Erwartung von Ergebnis und Lösung ohne Wege aufzuzeigen, weist auf die Unfähigkeit hin, darüber zu kommunizieren.
Starke Führungskräfte wissen, wer sie selbst sind. Sie akzeptieren andere so, wie diese sind. Leader bieten eine Plattform, auf der Menschen sich entfalten können. Eine Plattform, auf der gestaltet und aufgebaut werden kann.
Im System von Kontrolle und Druck wird eine Schablone aufgepresst. Eine Form, in die jeder hineinpassen muss.
Wir wissen, dass das nicht ohne Abstriche geht. Nicht ohne Schmerzen. Nicht ohne Beschneidung.
Die Schablone, die wir alle kennen
Manchmal habe ich das Gefühl, dass die wenigsten Menschen je etwas anderes erlebt haben. Viele sind davon überzeugt, dass sie einer gewissen Schablone entsprechen müssen.
Das fängt schon im Schulsystem an. Dort wird Wissen abgefragt, aber nicht aufgebaut. Es wird nicht dafür gesorgt, dass Menschen selbstständig denken lernen und dieses Denken anwenden.
In Unternehmen geht es genauso weiter. Dinge werden vorausgesetzt, ohne darüber klar zu sprechen. Ohne Raum zu geben, etwas gestalten zu können.
Der Kreislauf durchbricht sich erst, wenn eine neue Basis gesetzt wird.
Wir brauchen keine Transformation. Was wir brauchen, ist eine Revolution.
Du und ich – eine neue Basis
Es geht um ein Du und Ich. Du bist okay, ich bin okay.
Was bringst du mit? Was bringe ich mit? Wo willst du hin? Wo will ich hin? Wo können wir gemeinsam hin?
Was brauchst du, um da hinzukommen? Was brauchen wir, um eine gemeinsame Vision zu erstellen?
Wenn die Vision gemeinsam ist, haben wir beide Anteile daran. Wir können uns gegenseitig ergänzen. Wir können uns gegenseitig unterstützen.
Aber wenn es immer um Hierarchie geht, wenn es heißt ICH Chef, du NIX, oder andersrum, bleibt diese Ebene unerreichbar.
So bleiben wir im Hamsterrad gefangen.
Wenn die Vision fehlt
In Sprüche 29,18 (Bibel) steht: Ein Volk ohne Vision geht zugrunde.
Genau das passiert in Unternehmen und Teams ohne gemeinsame Vision.
Wenn das Team nicht mitträgt, kommt es entweder irgendwann zur Revolte. In der Praxis zeigt es sich anders:
Die Besten gehen zuerst. Die anderen kündigen innerlich und bauen zunehmend ab. Sie verlieren Motivation. Sie gestalten nicht mehr. Sie geben sich zufrieden damit, Dienst nach Vorschrift zu machen.
Wie ist das bei dir? Willst du den Expertenlevel erreichen?
Dann lass die Revolution geschehen.
Das eigentliche Problem
Das Problem ist nicht die Kommunikation.
Das Problem ist die Führung, die sich als Kommunikationsproblem tarnt.
Wenn ein Vorgesetzter sagt, jemand habe sein Gehalt nicht verdient, aber erhebe Anspruch darauf, dann ist das kein Kommunikationsproblem.
Das ist ein Führungsproblem.
Denn dieser Vorgesetzte hat es versäumt, klare Erwartungen zu formulieren. Er hat es versäumt, messbare Ziele zu setzen. Er hat es versäumt, eine Ebene zu schaffen, auf der beide Seiten wissen, woran sie sind.
Stattdessen versteckt er sich hinter Gefühlen. Hinter diffusen Wahrnehmungen. Hinter der Illusion von Kontrolle.
Und während er das tut, kündigen seine besten Mitarbeiter. Andere ziehen sich zurück. Sie geben auf und sind nur noch bereit, das Minimum zu leisten.
Sie sind nicht faul. Sie sind nicht verwöhnt.
Sie haben gelernt, dass Engagement nicht belohnt wird. Es gibt keine Klarheit. Ihre Leistung wird auf einer Gefühlsebene bewertet, die sie nicht beeinflussen können.
Der Weg hinaus
Der Weg hinaus beginnt mit einer Erkenntnis.
Das Folgende sage ich ohne Anklage, aber mit höchster Dringlichkeit:
ICH bin verantwortlich. ICH bin Teil des Problems.
Wenn ein Unternehmer das versteht, können wir anfangen zu arbeiten.
Wer versteht, dass sein Team nicht gegen ihn ist. Wer einsieht, dass es nicht ums Bessersein geht. Wer sein Team als Team wahrnimmt, das einheitlich darum ringt, gemeinsam ans Ziel zu kommen.
Der weiß, dass Vertrauen eine Basis ist. Dass ein funktionierendes Team zu Höchstleistung auffährt und große Ziele erreicht, weit mehr als das, was alleine möglich wäre.
Zusammengefasst sind es drei Schritte:
-
Schaffe Klarheit. Sprich Erwartungen aus. Definiere Ziele und stelle ausreichend Ressourcen bereit.
-
Biete eine Plattform der Befähigung. Vermeide es, Schablonen aufzupressen.
-
Übernimm Führung, statt Kontrolle auszuüben.
Viele vermeintliche Fehler in der Kommunikation haben ihre Ursache in der Führung.
Wer das erkennt, kann anfangen, es zu verändern.
Das Gute ist: Du musst nicht alles verändern.
Die Wahrheit ist: Du musst anfangen, etwas zu verändern.
Was hast du dir vorgenommen zu verändern?
Nimm dir eine Sache vor, die dein Leben oder das anderer heute verbessert. Mache das konsequent jeden Tag. Ich bin neugierig, was du verändern wirst und was das bewirken wird.
Ich freue mich, davon zu erfahren. Schreib mir.
STAY TUNED
Tobias Ruge

